Michael Brunner, Leiter Kommunikation, FDP Zug
«So etwas Geiles habe ich auf diese Art noch nie gemacht.»
Michael Brunner leitet die Kommunikation der FDP Kanton Zug. Doch am Ende entscheiden die Wähler, welche Themen ziehen. Um herauszufinden, was die Zuger Bevölkerung wirklich bewegt, wagte Brunner einen neuen Weg – und machte dabei eine «Erfahrung fürs Leben».
Herr Brunner, Hand aufs Herz: Was war das Ziel dieses Online-Dialogs mit BrainE4?
Wir wollten Präsenz zeigen und klarmachen: Die FDP ist nah bei den Leuten. Unser Motto war: «Wir hören zu und richten unsere Politik danach aus, was die Bevölkerung wirklich will.» Ich unterteile Politik gerne in zwei Aufgaben: Dienen und Führen. «Dienen» heisst in diesem Fall, genau hinzuhören und das umzusetzen, was die Menschen erwarten.
Den Puls der Bevölkerung haben Sie sicher auch vorher schon gefühlt. Wie lief das ab?
Natürlich kriegt man vieles mit. In den Sitzungen und Komitees bringt jeder das ein, was er am Stammtisch, in den Vereinen oder in den Behörden hört. So weit, so gut. Man liest die Zeitung, schaut sich die Reaktionen an – aber seien wir ehrlich: Man bewegt sich dabei immer ein Stück weit in der eigenen «Polit-Bubble».
«Was ich hier bekommen habe, ist enorm effizient.»
Bei Ihrem Online-Dialog haben rund 700 Personen mitgemacht. Das geht ja weit über diese Blase hinaus.
Absolut. Für mich war es ein extrem wertvolles «Rebalancing» unseres Wissens. Brandneue Ideen kamen zwar nicht – das haben wir auch nicht erwartet. Es wäre ja fast schockierend, wenn wir in unserer Rolle plötzlich total überrascht worden wären. Aber das Tool hat uns glasklar gezeigt, was aktuell zieht und was nicht.
Sie mussten zu Beginn eigene Hypothesen in die Plattform einspeisen. Wie haben Ihre persönlichen Prioritäten abgeschnitten?
Andreas von BrainE4 hat uns vorgewarnt, dass die eigenen Thesen oft weit hinten landen. Bei uns sind sie zwar auch etwas zurückgefallen, aber nicht dramatisch. Das fand ich positiv. Der Hauptnutzen für den Wahlkampf sind aber die Top 15 bis 20 Aussagen. Das ist unsere Kernbotschaft. Diese Priorisierung ist für uns Gold wert.
Damit wollen Sie sich von der Konkurrenz abheben?
Genau. Ein schöner Nebeneffekt: Die Konkurrenz von der Mitte hat zeitgleich eine klassische «SurveyMonkey»-Umfrage gemacht. Wir kamen eine Woche später mit BrainE4 um die Ecke – und haben sie damit förmlich «abgeklatscht».
Was heisst «abgeklatscht»?
Wir haben gezeigt, dass wir professioneller unterwegs sind. Keiner hat nach den Kosten gefragt, aber die Aussenwirkung war klar: BrainE4 spielt in einer anderen Liga als Survey Monkey.
«BrainE4 ist eine andere Liga als Survey Monkey.»
Wie geht es jetzt weiter?
Wir müssen die Ergebnisse intern richtig verkaufen. Ich sage den Leuten: «Lest diesen Bericht! Lasst euch das auf der Zunge zergehen. Das ist so, als hättet ihr 100 Stunden am Stammtisch verbracht – und hier kriegt ihr die Essenz auf wenigen Seiten serviert.» Als Politiker musst du spüren, was die Leute wollen, sonst kannst du weder dienen noch führen. Was ich hier an Futter für die Kandidaten bekommen habe, ist enorm effizient und vielseitig einsetzbar.
Die ganz tiefen Erkenntnisse bleiben also erst mal unter Verschluss?
Richtig. Im Communiqué an die Öffentlichkeit stand nur die grobe Einschätzung. Die Details gehen nur an die Parteileitung und die Kandidierenden. Man darf nicht vergessen: Das war für uns viel Geld. Wir haben dafür sogar eine geplante Plakataktion gestrichen. Entsprechend hoch war die Erwartungshaltung.
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Wurden diese Erwartungen erfüllt?
Ich sage es mal so: Ich wurde in einem Punkt enttäuscht, was aber durch etwas anderes mehr als wettgemacht wurde. Wir hatten mit mehr Teilnehmern gerechnet. Es ist verdammt harte Arbeit, die Leute dazu zu bringen, sich die Zeit für so einen Dialog zu nehmen.
Und was hat Sie entschädigt?
Das Ergebnis. Einerseits die Meinungen der Leute, die extrem spannend zu lesen sind. Aber der eigentliche Knaller war die Abschlussanalyse von BrainE4, das Management Summary. Die Qualität und die Substanz der Handlungsempfehlungen waren spitze. Das war erstklassiges Consulting. Da wurden meine Erwartungen weit übertroffen. Das Gesamtpaket stimmt einfach.
Sie konnten den Prozess jederzeit live mitverfolgen. Wie intensiv haben Sie das genutzt?
Es stand täglich auf meiner To-do-Liste. Alle zwei, drei Tage habe ich mich tief reingekniet. Es war faszinierend zu sehen, wie sich Ideen entwickeln oder verfestigen. Irgendwann haben sogar politische Gegner angefangen, extrem linke Thesen einzustreuen, um unseren Online-Dialog durcheinanderzubringen.
«Meine Erwartungen wurden weit übertroffen.»
Und, hat es funktioniert?
Nein, die Community hat das geregelt. Diese Ideen sind sang- und klanglos in den hinteren Rängen verschwunden.
Ihr Fazit?
Die 15 bis 20 Kernthemen, die jetzt feststehen, sind zentral für uns. Sie spiegeln unsere freisinnigen Werte wider, sind aber breit genug, damit jeder Kandidat die Themen picken kann, die zu ihm oder seiner Gemeinde passen.
Wem würden Sie BrainE4 empfehlen?
Eigentlich nur uns selbst! (lacht). Im Ernst: Allen anderen Kantonal-Sektionen der FDP.
Wie würden Sie Ihre erste Erfahrung mit BrainE4 rückblickend zusammenfassen?
Ich bin schon lange in der Parteipolitik dabei, aber das war für mich eine Erfahrung fürs Leben. Ganz ehrlich: So etwas Geiles habe ich in dieser Form noch nie gemacht.
Ein perfektes Schlusswort. Vielen Dank!
Interview: thk
Fakten:
7 offene Fragen
421 Teilnehmende
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BrainE4

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