
Peter Metzinger, Campaigner („Mr. Campaigning“)

Ich bin Aktivist, Campaigner.
Als ich mich selbstständig gemacht hab 1998 war das mehr aus der Notwendigkeit heraus. Ich bin ja von der Ausbildung her Physiker, war 13 Jahre bei Greenpeace.
Ich habe gemerkt: Was ich im Campaigning gelernt habe, hilft eigentlich in allen Bereichen. Denn es geht letztendlich darum, das Verständnis, die Einstellung oder das Verhalten von Menschen zu verändern, damit sie einem helfen, ein Ziel zu erreichen, das man nicht einfach befehlen kann.
Campaigning heisst Dialog: Zuerst aktives Zuhören und dann erst Reden.
Es geht letztlich immer darum, mehr Einfluss zu haben auf Personen und Organisationen.

Viele Leute würden mich als verrückt bezeichnen, weil ich Risiken eingehe. Ich war im Dschungel, habe mich dort für den Regenwald eingesetzt und geriet fast in einen Hinterhalt von Holzfällern, die uns erschiessen wollten.
Ich habe ein Collaborative Innovation Network für Power-to-X mit aufgebaut, wo von der Armee über SBB und Swiss bis zu Zürich Airport Mitglieder dabei sind. Alle, die sich mit synthetischen Brenn- und Treibstoffen sowie Wasserstoff beschäftigen.
Ich leite gerade eine Machbarkeitsstudie für den Bau einer Demonstrationsanlage für synthetisches Kerosin im Kanton Aargau. Ich spiele in der Rockband «300 Rock», die vor ein paar Wochen eine Single rausgebracht hat und springe da wild im Spartanerkostüm über die Bühne.
Ich bin Gemeinderat, verkehre mit Leuten aus der AC/DC Fanszene, gehe im Bundeshaus ein und aus – und komme mit allen gut aus.
Dass die Menschheit eine Aufklärung 2.0 erlebt. Wo die Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ergänzt würden durch Wissenschaft.
Dass Politik anhand von Fakten gemacht wird unter Respektierung der Würde der Menschen – in Freiheit. Das wäre mein größter Wunsch.
Als Pionier begibt man sich auf unbekanntes Terrain. Man weiß nicht, was einen erwartet. Natürlich löst das Ängste aus. Als ich mich selbständig machte, hatte ich schlaflose Nächte, wenn ich nicht ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht war.
Angst kann auch gut sein. Denn Angst schärft die Sinne. Und wenn die Sinne geschärft sind, dann achtet man eben auf alle Signale, solange man sich nicht lähmen lässt.
Synthetische Treibstoffe. Dafür setze ich mich jetzt seit zwölf Jahren ein. Einerseits habe ich die Geduld weiterzumachen, auch wenn es extrem langsam geht in der Politik. Und andererseits bin ich ungeduldig, weil der Klimawandel uns davongaloppiert.
Mit Personal war ich oft zu ungeduldig.
Als Pionier beschäftigt man sich ganz intensiv mit der Thematik. Dann unterliegt man dem Fluch des Wissens. Man ist Experte und kann sich nicht mehr in andere hineinversetzen, die mit dem Thema nicht so vertraut sind. Dann denkt man, man hat es ihnen doch erklärt, wieso kapieren die das nicht – und schon habe ich zu wenig Verständnis für Fehler.
Da braucht man viel, viel, viel, viel mehr Geduld als ich sie habe.

Einstein wegen der Wissenschaft und dem kritischen Denken. Als Physiker hat man sowieso Albert Einstein als Vorbild.
Steve Jobs wegen der Fokussiertheit und der Fähigkeit, maximal zu reduzieren. Das sehe ich auch bei AC/DC: maximal reduziert – auf den Punkt gebracht. Und immer wiedererkennbar.
Das finde ich faszinierend, denn auch beim Campaigning musst du so eine klare Identität im Kopf haben. Die Vision ist letztendlich eine Marke. Die Marke musst du in den in den Herzen, Bäuchen und Köpfen der Leute verankern – und zwar ganz klar.
Campaigning ist Dialog. Wenn ich die Zielgruppe nicht zu 100% verstehe, mache ich Workshops mit den Leuten und lasse die Kampagne von denen entwickeln. Als wir das 2003 das erste Mal gemacht hatten, war das für den NuvaRing, ein Verhütungsmittel für Frauen.
Auch für den Film «Mein Name ist Eugen» wurde die Marketing-Strategie von der Zielgruppe entwickelt.