Bürgerdialog

Franz-Xaver Strüby, Strüby Consulting AG, externer Projektleiter, Gemeinde Schwyz

«Beteiligung braucht Fokus — und den Mut, zuzuhören»
Franz-Xaver Strüby begleitet die Gemeinde Schwyz seit über zehn Jahren als externer Projektleiter in der Zentrumsentwicklung. Als das Verwaltungsgebäude an der Bahnhofstrasse 15 frei wurde und verschiedene Interessengruppen das Thema politisch zu besetzen begannen, stellte sich die Frage: Wie gewinnt man ein ehrliches Bild aus der Bevölkerung, statt nur die lautesten Stimmen zu hören? Strüby erklärt, warum der Gemeinderat auf BrainE4 setzte, was ihn an den Ergebnissen überraschte. Und warum Transparenz der eigentliche Mehrwert war.
Herr Strüby, können Sie sich kurz vorstellen — welche Rolle hatten Sie im Projekt «Zentrumsentwicklung» der Gemeinde Schwyz?

Ich begleite die Gemeinde Schwyz als externer Projektleiter in der Kommission Entwicklungsachse Zeughausareal. Meine Tätigkeit für die Gemeinde in diesem Zusammenhang begann mit der Übernahme des Areals aus dem Bestand der armasuisse vor über zehn Jahren und konzentriert sich in unterschiedlicher Intensität vor allem auf strategische, betriebswirtschaftliche und organisatorische Themen.

Da mit dem Verwaltungsgebäude an der Bahnhofstrasse 15 durch den Wegzug der Verwaltung ein weiteres Areal im Zentrum von Schwyz frei wird, stellte sich für den Gemeinderat die Frage, wie mit diesem Areal im Besitz des Kantons umzugehen sei. Verschiedene Parteien und Interessengruppen haben hierzu einen Diskurs gestartet und versucht, das Thema politisch zu positionieren. Da die Bahnhofstrasse 15 im Dorfzentrum liegt, stellte sich für den Gemeinderat nicht nur eine isolierte Arealentwicklungsfrage, sondern eine Frage im Zusammenhang mit der Zentrumsentwicklung im Dorfkern von Schwyz. Ausgangspunkt waren somit mehrere Entwicklungsareale in der Gemeinde Schwyz.

Was war der Ausgangspunkt für den Einsatz von BrainE4?
«BrainE4 hat überzeugt, weil Beiträge gesammelt, durch die Teilnehmenden bewertet und anschliessend belastbar gewichtet werden.»

Der Gemeinderat wollte nicht primär die Position einzelner Parteien oder Interessengruppen abfragen, sondern ein breites, möglichst unverzerrtes Bild aus der Bevölkerung gewinnen.

Im Zentrum stand die Zentrumsentwicklung: Was bewegt die Menschen? Welche Anliegen haben Priorität? Die erste Befragung lieferte die Grundlage für den Strategieworkshop des Gemeinderats; in einer zweiten Phase wurden die Ergebnisse anhand geschlossener Fragen validiert und geschärft.

«Die Fragen waren relevant und die Beteiligung war ernsthaft.»
Wie kam BrainE4 ins Spiel? Der Kanton Schwyz gilt ja als eher zurückhaltend gegenüber neuen Verfahren. War das ein Thema?
Diese Wahrnehmung gibt es. Gerade deshalb war die Offenheit der Gemeinde bemerkenswert. Entscheidend war nicht die Technologie an sich, sondern die Frage, welches Instrument der Bevölkerung echten Raum für eigene Ideen gibt. BrainE4 hat überzeugt, weil Beiträge gesammelt, durch die Teilnehmenden bewertet und anschliessend belastbar gewichtet werden. Dadurch entsteht eine fundierte Grundlage für Strategie, Strategieworkshop und Validierung.
Sie haben nur vier Fragen vorgegeben. War diese Reduktion schwierig?
Ja. Wenn man mit der Bevölkerung spricht, ist die Versuchung gross, möglichst vieles zu fragen. Für glaubwürdige Ergebnisse braucht es aber Fokus. Die vier Fragen haben das Thema klar eingegrenzt und trotzdem genügend Raum für eigene Beiträge gelassen. Dass die Teilnehmenden im Schnitt rund 150 Meinungsduelle absolviert haben, zeigt: Die Fragen waren relevant und die Beteiligung war ernsthaft.
«Die Ergebnisse hängen nicht an einzelnen Personen, sondern an der Beteiligung der Bevölkerung.»
Sie hatten zu jeder Frage neun Hypothesen vorgegeben; die Bevölkerung gewichtete eigene Ideen mehrheitlich höher. Wie hat der Gemeinderat das aufgenommen?
Nicht enttäuscht, im Gegenteil. Für den Gemeinderat war es wertvoll zu sehen, dass die Bevölkerung eigene Ideen einbringt und diese auch gegenseitig bewertet. Rückblickend hätte es vielleicht sogar weniger vorgegebene Hypothesen gebraucht. Über 1'000 eigene Inputs und nur wenige provokative Beiträge zeigen, dass die Menschen das Thema ernst nahmen. Das stärkt die Qualität der Ergebnisse.
Gab es die Befürchtung, dass organisierte Gruppen die Ergebnisse manipulieren könnten?
Diese Sorge gibt es bei digitalen Beteiligungsformaten oft. In diesem Projekt hat sich gezeigt: Die Plattform lief stabil, und zusätzliche Kommunikationswellen haben die Ergebnisse breiter abgestützt statt verzerrt. Entscheidend ist, dass viele Menschen teilnehmen und die Beiträge gegenseitig bewerten. So werden einzelne Interessen relativiert und die tatsächlichen Bedürfnisse sichtbarer.
Über zehn Prozent der Bevölkerung haben mitgemacht. Was bedeutet das für Sie?
Für eine Gemeinde wie Schwyz ist das ein ausserordentlich starkes Ergebnis. Es zeigt, dass die Gemeinde das Thema richtig gesetzt und die Kommunikation sehr konsequent geführt hat. Besonders wertvoll ist die breite Verteilung der Teilnehmenden: aktive und weniger aktive Personen sowie jüngere und ältere Personen. Beteiligung entsteht nicht von allein; sie braucht Timing, klare Botschaften und professionelle Begleitung.
«Mein Fazit ist sehr positiv.»
Im Gemeinderat stehen personelle Veränderungen an. Bleiben die Erkenntnisse aus dem Dialog trotzdem erhalten?
Ja. Die Ergebnisse hängen nicht an einzelnen Personen, sondern an der Beteiligung der Bevölkerung. Sie bilden eine dokumentierte Grundlage, die auch bei personellen Veränderungen Bestand hat. Für neue Mitglieder des Gemeinderats ist das wertvoll: Sie starten nicht bei null, sondern können auf nachvollziehbare Aussagen der Bevölkerung zurückgreifen.
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Wie hat der Gemeinderat insgesamt auf die Ergebnisse reagiert?
Die Reaktionen waren sehr interessiert und konstruktiv. Einige denken stark vom klassischen Richtplan her, andere verstehen Strategie breiter: als Zusammenspiel von Richtplanung, politischer Führung, Kommunikation und Umsetzung. Im Zentrum steht für mich die Bevölkerung, die mit ihren Rückmeldungen einen klaren Impuls gibt. BrainE4 hat diese Aussagen sichtbar gemacht und in eine Form gebracht, die der Gemeinderat für Entscheidungen und die Kommunikation nutzen kann.
Was ist Ihr Gesamtfazit als Projektleiter?
Mein Fazit ist sehr positiv. Die Gemeinde Schwyz hat ein breites, inhaltlich belastbares Ergebnis erhalten, das für unterschiedliche Fragestellungen nutzbar ist. Es schafft Klarheit, stärkt die Kommunikation und hilft, Entscheidungen besser zu begründen. Wichtig ist auch die Transparenz: Jede Idee ist im Schlussbericht nachvollziehbar. Dadurch wird sichtbar, was breite Unterstützung findet und was weniger Priorität hat. Wer überzeugt war, dass ein Hallenbad realisiert werden müsse, und sieht, dass diese Idee auf Platz 145 steht, kann besser einordnen, warum andere Anliegen höher gewichtet wurden. Wer dennoch anderer Meinung bleibt, dem lässt sich zumindest nachvollziehbar erklären, warum etwas nicht umgesetzt wird. Das schafft Verständnis, auch wenn nicht jedes Anliegen umgesetzt werden kann.
«Ich würde BrainE4 allen Gemeinden und Organisationen empfehlen, die bereit sind, ernsthaft zuzuhören und ein wichtiges Thema breit abzustützen.»
Wie verlief der Entscheid, BrainE4 einzusetzen?
Der Entscheidungsprozess war bemerkenswert effizient. Das lag aus meiner Sicht an drei Punkten: Die Ausgangslage war klar, die Methodik wurde verständlich erklärt, und der Nutzen für die Gemeinde war rasch erkennbar. Der Gemeinderat hat verstanden, dass BrainE4 nicht einfach eine klassische Umfrage ist, sondern ein Verfahren, das Beteiligung, Gewichtung und strategische Entscheidungsgrundlagen verbindet. Wenn dieser Mehrwert sichtbar wird, kann eine Gemeinde auch neue Wege zügig und professionell beschreiten.
Wem würden Sie BrainE4 empfehlen?
Allen Gemeinden und Organisationen, die bereit sind, ernsthaft zuzuhören und ein wichtiges Thema breit abzustützen. BrainE4 eignet sich besonders dort, wo es nicht nur um Zustimmung oder Ablehnung geht, sondern um Prioritäten, Argumente und die Frage, was eine Gemeinschaft tatsächlich bewegt.
Interview: thk
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