Frauen in Führungspositionen sind gegenwärtig wieder Thema geworden. Man hat das Gefühl, dass sich Diversity zu einem Schimpfwort entwickelt hat.
Ich bin klar für diverse Teams. Für mich bedeutet „diverse“ nicht nur die Genderfrage, sondern auch verschiedene Kompetenzen, Stärken und Senioritäten. UBS fördert diverse Teams. Frauen sind oft zurückhaltender in Bewerbungsprozessen, und ich sehe es als meine Aufgabe, andere Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen.
Über Jahrtausende anerzogene Bescheidenheit?
Die Sichtbarkeit von Frauen wird besser, aber viele stellen sich nicht gerne ins Rampenlicht. Ich darf hier in der Region bei der Verleihung des Unternehmerinnenpreises „POWHER Award“ mitwirken und sehe, dass junge Unternehmerinnen proaktiver sind.
Manchmal habe ich den Eindruck, wir leben in einer Zeit, in der alle auf Sendung sind und das Zuhören immer schwieriger geworden ist. Was ist Ihre Beobachtung?
Zuhören ist sehr wichtig. Wenn Sie in der Führung oder bei Kunden nicht zuhören, kann nichts weiter daraus entstehen.
Wie hört man richtig zu?
Die richtigen Fragen stellen und Raum geben. Es geht darum, sich die Zeit zu nehmen und den Fokus auf das Gespräch im Hier und Jetzt zu legen.
«Ich möchte Frauen ermutigen, selbstbewusst Verantwortung zu übernehmen.»
Wenn jemand von „Hier und Jetzt“ spricht, habe ich immer das Gefühl, er meditiert am Morgen oder macht Yoga.
Ist das so? Ich nicht. Morgens mache ich allerdings Sport, meist um fünf Uhr auf dem Crosstrainer.
Kompliment. Was haben Sie noch für Wunschträume als Pionierin in der Pipeline?
Ich möchte noch auf den Kilimandscharo. Vergangenes Jahr durfte ich nach Bhutan reisen, und der Gedanke, den Kilimandscharo zu besteigen, hat mich seitdem fasziniert.
Der Kilimandscharo ist nicht gerade nichts. Waren Sie schon in seiner Nähe?
Nein, noch nie. Es wäre etwas ganz Neues. Mich fasziniert die Tierwelt dort und die Verbindung zum Berg.
Das ist ein persönliches Projekt, eine persönliche Herausforderung. Und ein grösseres Projekt?
Die psychologische Gesundheit unserer Mitarbeitenden. Ich möchte, dass wir Plattformen haben, auf denen sich die Mitarbeitenden offen äussern und echt einbringen können, ohne Angst vor Stigmatisierung. So haben wir auch als Organisation die Möglichkeit zu lernen und weiter zu wachsen.
Sie sehen als Problem, dass die Leute befürchten, es ist nicht anonym?
Ja, eine gewisse Anonymität hilft, solche Themen nach vorne zu bringen.
«Veränderungen sehe ich als Chance.»
Wir leben in unsicheren Zeiten. Sie vermitteln nicht den Eindruck, dass das für Sie eine Gefahr darstellt.
Ich sehe das Glas halb voll. Veränderungen sehe ich als Chance. Sorgen mache ich mir natürlich, aber ich gehe mit gesundem Optimismus voran und treffe realistische Entscheidungen.